Trauerfall
Slow-Food-Gründer Carlo Petrini verstorben
Carlo Petrini, der Gründer der weltweiten Slow-Food-Bewegung, ist am 21. Mai im Alter von 76 Jahren in seiner piemontesischen Heimatstadt Bra verstorben. Der italienische Journalist und Soziologe, der die Organisation 1986 als Gegenbewegung zur Fast-Food-Kultur ins Leben rief, erlag den Folgen einer schweren Krebserkrankung. Seine Philosophie von „gut, sauber und fair“ veränderte über vier Jahrzehnte hinweg das Produktbewusstsein auch in der internationalen Spitzengastronomie grundlegend.
Carlo Petrini, am 22. Juni 1949 in Bra in Italien geboren, schlug nach einem abgebrochenen Soziologiestudium zunächst eine Laufbahn als Gastronom, Journalist und Regionalpolitiker ein. Seine Initiativen bewegten sich zeitlebens im Spannungsfeld zwischen Agrikultur, Ökonomie und politischer Linken. 1986 gründete er in seiner Heimat die Arcigola (später Slow Food Italia). Der internationale Durchbruch der Bewegung erfolgte im Dezember 1989 in Paris, als Delegierte aus 20 Ländern das offizielle Slow-Food-Manifest unterzeichneten. Auslöser der Bewegung war ein von Petrini initiierter, medienwirksamer Protest gegen die Eröffnung einer McDonald’s-Filiale an der Spanischen Treppe in Rom im Jahr 1986.
Unter der von Petrini geprägten Maxime „buono, pulito e giusto“ (gut, sauber und fair) entwickelte sich die Organisation zu einem globalen Netzwerk, das heute in über 160 Ländern agiert. Für die gehobene Gastronomie schuf Petrini damit das theoretische Fundament für fundamentale Branchen-Trends der vergangenen zwei Jahrzehnte. Dazu gehört der Erhalt der Biodiversität mit dem Projekt der „Arche des Geschmacks“, die weltweit vom Aussterben bedrohte, regionaltypische Nutztier- und Pflanzenarten schützt, sowie die Gründung von Erzeuger-Netzwerken, die den Weg der für das moderne „Farm-to-Table“-Prinzip der Spitzengastronomie geebnet haben. Die ebenfalls 2004 von Petrini gegründete Universität der Gastronomischen Wissenschaften in Pollenzo führte interdisziplinäre Studien zu sensorischen, ökologischen und ökonomischen Aspekten des Essens ein.
Petrinis Thesen zur „integralen Ökologie“ fanden weit über den kulinarischen Sektor hinaus Beachtung. Das US-Magazin Time führte ihn 2004 als „Hero of Europe“, der Guardian listete ihn 2008 unter den weltweit bedeutendsten Umweltschützern. Es folgten enge Kooperationen mit internationalen Institutionen wie den Vereinten Nationen sowie ein intensiver intellektueller Austausch mit Papst Franziskus und König Charles III.. Im Jahr 2022 leitete Petrini einen strategischen Generations- und Strukturwechsel ein: Nach über drei Jahrzehnten an der Spitze übergab er das Amt des internationalen Präsidenten an den Edward Mukiibi.
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